http://www.nationalparks.at
Home

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Standort

Inhalte

NP Donau-Auen: Wie kommen Rotkehlchen und Biber im Winter zurecht?

Winterwanderungen machen Überlebensstrategien der Tiere erlebbar

 
(Orth/Donau, 15.1.2010) Seit einigen Wochen ist bereits alles mit Schnee und Eis überzogen. Die Donau-Auen zeigen sich von ihrer unwirtlichen Seite. Durch die gefrorenen Böden ist das Nahrungsangebot für die Au-Bewohner auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Die Pflanzen haben im Herbst die Blätter verloren und vor dem ersten Frost die Säfte eingezogen. Manche überdauern überhaupt im Boden. Auch hier ist also nichts zu holen. Wie gehen die zahlreichen Tiere im Nationalpark Donau-Auen mit diesen extremen Bedingungen um? Sehen Sie selbst - sie haben faszinierende Strategien entwickelt:
 
Unsere Zugvögel machen es sich auf den ersten Blick leicht. Sie fliehen vor dem Winter in wärmere Gefilde. Auf den zweiten Blick haben sie aber unseren ganzen Respekt verdient. Die weite Reise ist mit enormen Anstrengungen verbunden und ebenso mit Entbehrungen und vielen Gefahren. Nicht alle Zugvögel kehren im Frühjahr wieder.

Unter den Insekten gibt es zahlreiche Vertreter, die nach der Eiablage im Sommer, diesen dann nicht mehr überleben. Ihre Eier oder Larven verbringen jedoch den Winter geschützt und entwickeln sich dann im Frühling weiter. Viele Schmetterlinge verpuppen sich zum Beispiel vor Einbruch der Kälte und schlüpfen dann, wenn es wieder wärmer wird. Der Zitronenfalter kann aber auch in seiner erwachsenen Form überwintern. Er ist mit einem speziellen Frostschutz ausgestattet und begibt sich in einem Winter-Versteck einfach in Winterstarre.
 
Von vielen Tieren wird entweder ein Winterschlaf (durchgehend) und eine Winterruhe (mit einigen aktiven Phasen) gehalten, um den Energieverbrauch zu minimieren und so möglichst wenig Nahrung zu benötigen.

Siebenschläfer oder Fledermäuse halten einen monatelangen Winterschlaf, wie auch die Europäische Sumpfschildkröte, die im Winter nicht aktiv ist: Sie gräbt sich am Grund tiefer Gewässer, die nicht durchfrieren, im Schlamm ein und wartet auf den Frühling.

Das Eichhörnchen dagegen wird mehrmals munter in der kalten Jahreszeit und sucht dann Vorratsverstecke auf, die es im Herbst mit Nüssen und Zapfen gefüllt hatte, bevor es sich wieder in den Kobel zurückzieht und weiterschläft.

Viele Tiere bleiben aber auch die gesamten Wintermonate über aktiv und harren mit einem warmen Pelz oder einem wasserdichten Gefieder in der Kälte aus. In der Regel hat es die Natur so eingerichtet, dass für diese Lebewesen genug Nahrung vorhanden ist – Besonders üppig ist das Angebot aber wahrlich nicht und so müssen alle Tiere sicher an ihre Grenzen gehen und die körperlichen Reserven des Sommers aufbrauchen.

Das Wild gräbt zum Beispiel nach Gräsern und Moos oder knabbert an Rinde und Trieben der Bäume und Sträucher. Die Wildschweine wühlen sehr heftig im Waldboden nach Fressbarem. Ihre Spuren sind leicht zu erkennen, denn sie hinterlassen ein wahres Schlachtfeld.

Der Biber fällt Bäume, um an die zarten Zweige der Kronen zu gelangen – da die ausgesuchten Ufer-Bäume meist ins eisige Wasser stürzen, bleibt die Nahrung viele Wochen lang konserviert und er kann sich immer wieder bedienen. Sein Pelz ist sehr dicht und vor allem wasserabweisend. Daher stört es den Biber nicht weiter, sich seine Nahrung schwimmend zu holen.



 

Für die Waldvögel gibt es, auch abseits der Futterhäuschen, ausreichend Samen und Früchte. Je kleiner der Vogel ist, desto mehr und öfter muss er aber Nahrung zuführen, damit er die Körperwärme halten kann, was sein Überleben sichert. An besonders kalten Tagen ist es daher so, dass z.B. Sperlinge, Rotkehlchen oder Meisen quasi den ganzen Tag durchfressen um die Nacht überleben zu können.
 
Der Eisvogel jagt an Gewässern, die nicht vereist sind, nach kleinen Fischen. Wenn einmal alle Altarme zugefroren sind, kann man ihn auch am Donauufer gut beobachten, da er dann hierhin ausweichen muss.
 
Der mächtige Seeadler zieht derzeit als Wintergast über den Donau-Auen seine Kreise. Gerne versucht er es sich einfach zu machen bei der Nahrundbeschaffung. Anstatt selbst nach Fischen oder Wasservögeln zu jagen, macht er anderen, unterlegenen Fischjägern, wie zum Beispiel dem Kormoran, seinen Fang streitig - meist erfolgreich.

Für uns Menschen sind diese mannigfaltigen Strategien der Wildtiere in jedem Fall faszinierend. Es übersteigt einfach unsere Vorstellungskraft in dieser Jahreszeit draussen überleben zu können.

Aus diesem Grund bietet der Nationalpark Donau-Auen im Jänner und Februar geführte Winterwanderungen in die Au an. Gemeinsam mit einem Nationalpark-Ranger suchen Sie Spuren und beobachten Tiere. Es ist sehr spannend hautnah dabei zu sein und den Winter selbst einmal so richtig zu spüren. Ziehen Sie sich warm an! Das Erlebnis ist aber ein wunderbares.


Für alle Winter-Touren ist eine Anmeldung erforderlich:

schlossORTH Nationalpark-Zentrum
Unser Wintertelefon ist von Mo-Fr von 8 bis 13 Uhr besetzt: 02212/3555
Oder schreiben Sie uns ein e-mail: schlossorth@donauauen.at

Alle Termine finden Sie auch in unserem Online Veranstaltungskalender.
 
Fotocredits: Hoyer, Stefaner, Senor-Zeman. Der Abdruck ist unter Nennung des Fotografen und im Zusammenhang mit Berichten über den Nationalpark Donau-Auen honorarfrei.
 
 
Rückfragen richten Sie bitte an:
Nationalpark Donau-Auen GmbH
Bettina Schuckert
Tel.: 02212/ 3450-16,
Mobil: 0676/ 84 223 553
b.schuckert@donauauen.at
 

17.01.2010,