NP Donau-Auen: Ein Platz an der Sonne für die Würfelnatter
Würfelnatter ist das Reptil des Jahres 2009!
(Orth an der Donau, 29.4.2009) Die sonnenliebende Würfelnatter (Natrix tessellata) wurde von der Österreichischen und Deutschen Gesellschaft für Herpetologie sowie der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz zum Reptil des Jahres 2009 ernannt. Hohe Ansprüche an den Lebensraum haben die Würfelnatter zur am stärksten gefährdeten Schlangenart Niederösterreichs gemacht. Der Nationalpark Donau-Auen bietet in manchen Abschnitten noch gute Lebensbedingungen für das Reptil des Jahres 2009!
Die Würfelnatter ist eine ungiftige Schlange, die zu den Wassernattern gehört. Sie erreicht eine Länge von bis zu über einem Meter und ist für den Menschen völlig ungefährlich. Der Name stammt von der charakteristischen Rückenzeichnung. Die Farbe der Oberseite ist schiefergrau bis oliv. An der Kopfoberseite befinden sich die für Nattern kennzeichnenden 9 großen Kopfschilder.
Geschickte Jägerin im Wasser
Die Würfelnatter ist vollständig an den Lebensraum Wasser gebunden. Viele Stunden des Tages verbringt sie mit der Nahrungssuche im Wasser und kommt dann nur zum Atmen an die Wasseroberfläche. Ihre Nahrung sind überwiegend kleine Fische, die sie am Gewässergrund aufspürt, oder unter Steinen und Ästen. Gelegentlich erbeutet sie auch kleine Frösche und Molche. Sie ist eine exzellente und pfeilschnelle Jägerin. Am Morgen und zwischen den Tauchgängen sucht sie Sonnenplätze am Gewässerufer auf, die für die wechselwarme Schlange von großer Bedeutung sind.
In den Monaten Juni – Juli legt die Würfelnatter 5 bis 25 Eier in lockerem Erdreich oder in vermodernden Baumstümpfen ab. Etwa zwei Monate später, also noch im späteren Sommer, schlüpfen daraus die Jungtiere mit einer Körperlänge von etwa 20 cm. Sie sind auf sich alleine gestellt und bewältigen ihr Leben ohne Unterstützung durch die Elterntiere. Ihre Feinde sind Greifvögel, Reiher, Störche und räuberische Säugetiere.
Bei Gefahr gleiten Würfelnattern lautlos ins Wasser und tauchen weg. Werden sie überrascht, stellen sie sich oft tot oder es werden - wie auch bei den Ringelnattern - die Stinkdrüsen entleert.
Lebensraum gesucht!
Hauptursache für den starken Rückgang der Würfelnatter ist die Zerstörung der Flusslandschaften, beispielsweise die Begradigung der Gewässer, die Errichtung von Kraftwerken und die Verbauung der Ufer. Auch Verunreinigung und intensive menschliche Nutzung leisten ihren Beitrag zum Verlust des Lebensraumes und der Nahrungsgrundlagen.
Während Hochwässer früher die Flussauen als vielfältige Offenlandschaft mit Schotterbänken und Altwässern formten, ist diese Dynamik in den ausgebauten und befestigten Flüssen völlig verloren gegangen. Die Würfelnatter zählt zu den gefährdetsten Reptilien Niederösterreichs. Die voranschreitende Zerstörung natürlicher Gewässerbereiche wird sie noch weiter bedrängen.
Auch im Nationalpark Donau-Auen finden Würfelnattern nur mehr in einigen Bereichen einen geeigneten Lebensraum vor. Die Kombination aus Sonnenplätzen, strukturreichen Ufern, ausreichendem Angebot an jungen Fischen und geeigneten Nistplätzen in Kombination mit geringer Störung durch Menschen ist selbst hier selten geworden.
Die Würfelnatter auf der Schlossinsel
Das überaus scheue Tier ist in der freien Wildbahn nicht einfach zu Gesicht zu bekommen. Auf der Schlossinsel, dem Freigelände des schlossORTH Nationalpark-Zentrums, sind im überaus weitläufigen Schlangengehege Würfelnattern quasi natürlich zu beobachten. Sie jagen im Wasser, sonnen sich auf den Steinen am Ufer und verstecken sich zwischen den Ästen; ein tolles Naturschauspiel.
Die Schlossinsel ist das Tor zur Au. Hier kann man nicht nur viele zahlreiche au- und regionstypische Tiere in weitgehend naturnaher Umgebung beobachten oder interessante Informationen zu Fauna und Flora in den Donau-Auen erfahren, man kann auch spannende Wanderungen oder Spaziergänge in Richtung Donau starten.
Fotos: Baumgartner, Kurth. Die Veröffentlichung ist unter Nennung des Fotografen und in Zusammenhang mit Berichten über den Nationalpark Donau-Auen honorarfrei.

Baumgartner

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Nationalpark Donau-Auen GmbH
Bettina Schuckert
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29.04.2009,

