Der Fischotter im Nationalpark Kalkalpen
Studie untersuchte die Verbreitung, die Populationsgröße und mögliche Gefährdungsursachen
(Molln, 28.01.2008) Der Fischotter ist eine Tierart von gemeinschaftlichem Interesse in der Europäischen Union und wird in Österreich in der Roten Liste der Kategorie 1 - vom Aussterben bedroht - geführt. Demzufolge sind die Art und ihr Lebensraum streng zu schützen.
Als charakteristische Säugetierart für Gewässerökosysteme mit der potentiellen Verbreitung auch im Nationalpark Kalkalpen stellt die Art für den Nationalpark ein hohes Schutzgut dar. Fischotter hat es in der Nationalpark Kalkalpen Region immer gegeben. „Im Buch Heimatkunde des Bezirkes Kirchdorf, I. Band, Linz 1937-38, schreibt Kurt Weinberger, „An der Steyr sind Fischotter regelmäßig, wenn auch selten zu finden. Von der Haunoldmühle aus sollen Fischotter öfter über die Höhe gegen Ternberg zur Enns hin und her wechseln“. Im Alpenboten von Steyr ist 1882 zu lesen, dass ein Jäger in Hinterstoder, im Bereich Salzsteigjoch, in einer Höhe von über 1.700 m, einen Fischotter entdeckte. OFÖ Walter Stecher aus Molln berichtet, dass Anfang der 1960-iger Jahre Fischotter im Bodinggraben vom Forsthaus aus noch regelmäßig zu sehen gewesen sind. „Danach fehlen über mehrere Jahre Belege für das Vorhandensein von Ottern“, teilt Nationalpark Direktor Dr. Erich Mayrhofer mit.
Deshalb wurde von der Nationalpark Verwaltung eine Studie in Auftrag gegeben um mehr über die derzeitige Verbreitung von Fischottern, die Lebensraumqualität der Fließstreckengewässer im Nationalpark, mögliche Gefährdungsursachen und die Populationsgröße zu erfahren. Mit den Untersuchungen wurde der Wildökologe Dr. Andreas Kranz beauftragt. Die Erhebung führte zu folgendem Ergebnis.
Auf Grund von Fischotterverbreitungserhebungen im Jahre 2001, 2003 und den Jahren 2007 und 2008, die alle auf Losungsfunden unter Brücken im Nationalpark und seinem Umfeld basierten, konnte gezeigt werden, dass sich Otter im Gebiet leicht ausgebreitet haben und die Nachweishäufigkeit gestiegen ist. Im Vergleich zu anderen Gewässern der Nördlichen Kalkalpen sind die Nachweisdichten aber gering. Die Gründe dafür werden in mangelnder Lebensraumqualität an der Enns und der Steyr außerhalb des Nationalparks vermutet. Innerhalb der Grenzen des Nationalparks wurde die Habitatqualität und das Nahrungsangebot als günstig eingestuft. Allerdings sind die Gewässer im Nationalpark zu klein, um auch nur einem einzigen Otter als Ganzjahreslebensraum zu dienen. Eine eigene Nationalparkpopulation existiert daher nicht. Da das Gebiet des Nationalparks von drei unterschiedlichen Gewässersystemen entwässert wird, wird die Anzahl der den Park nutzenden Otter mit sechs bis acht erwachsenen Tieren geschätzt; diese Tiere leben aber zum Gutteil auch außerhalb des Parks. Auf Grund der geringen Otterdichte ist unwahrscheinlich, dass diese die seit etwa einem Jahrzehnt fischereimäßig nicht mehr beeinflussten Fischbestände, namentlich jene der Forellen und der Äsche bezüglich Fischbiomasse und Kondition beeinflussen.
„Eine allmähliche Wiederherstellung der ursprünglichen Fischartenbestände ist durch den Otter jedenfalls nicht gefährdet; autochthone Bachforellen sind nach bisherigen Verständnis sicher nicht leichter zu erbeuten als Regenbogenforellen. Besatzfische sind hingegen einem erhöhten Erbeutungsrisiko ausgesetzt, weil diesen Tieren in der Regel sowohl die Erfahrung der Feindmeidung als auch die Kondition und die detaillierte Habitatkenntnis fehlen“, teilt die Studie mit.
Nähere Informationen unter: www.kalkalpen.at
DI Dr. Kranz Andreas 2008: Zum Fischotter im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich. Endbericht für die Nationalpark Oö. Kalkalpen GesmbH
Ingenieurbüro für Wildökologie und Naturschutz e. U.
Am Waldgrund 25, 8044 Graz
andreas.kranz@aon.at
Tel.: 0664 2522017
![]() Nationalpark Kalkalpen/Franz Sieghartsleitner |
![]() Fotofalle Nationalpark Kalkalpen/Christian Fuxjäger |
| Fischotter unter einer Brücke am Reichramingbach |
Downloads
KA_Fischotter_28-01-2008.pdf (PDF 27,63 kB )
KA_Fischotter.JPG (JPG 1902,89 kB )
KA_Fotofalle_Fischotter.jpg (JPG 1959,25 kB )
28.01.2009,



