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Die österreichischen Nationalparks - Ein Ausblick auf 2005 und eine schöne Bilanz

Eindrucksvolle Entwicklungen in den Schutzgebieten

(Wien, 24.02.2005) Am 24. Februar 2005 präsentierten die Direktoren der sechs österreichischen Nationalparks (Donau-Auen, Thayatal, Neusiedler See-Seewinkel, Gesäuse, Kalkalpen und Hohe Tauern) die spannenden Projekte des heurigen Jahres. Die Ergebnisse von 2004 geben einen guten Eindruck von der Erfolgsgeschichte der österreichischen Nationalparks. 
 
In den Donau-Auen öffnet Anfang Juni das BesucherInnenzentrum Schloss Orth seine Pforten. Es bietet den BesucherInnen Information über den Nationalpark, Tourismus-Auskünfte und ein Buchungsservice für Führungen. Weiteres großes Vorhaben ist das EU LIFE- Projekt zur Öffnung der Donau-Altarme. Es soll dazu beitragen, die ursprüngliche Dynamik der Au wieder herzustellen.
 
Im Thayatal wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem tschechischen Teil des Nationalparks weiter intensiviert. Es finden Wanderungen von Znaim nach Retz statt, außerdem werden Treffen mit Zeitzeugen aus der Periode , als der Eiserne Vorhang noch nicht Geschichte war, organisiert. Spezielle Tierbeobachtungstouren (Smaragdeidechse, Schwarzstorch, Wildschweine) bereichern die diesjährige Angebotspalette. Als besondere Attraktion wird der erste österreichische Nationalparkball am 2. Juli im Nationalparkhaus Hardegg stattfinden.
 
Für Gruppenexkursionen gibt es im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel eine neue Attraktion - erstmals kommt ein solarbetriebenes Boot für zum Einsatz. Um den Naturhaushalt im Seewinkel , im Speziellen die Auswirkungen niedriger Grundwasserstände auf die Aussüßung von Salzlacken zu untersuchen, werden Forschungsprojekte gestartet. Ziel ist die Renaturierung der ökologisch wertvollen Salzlacken. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem ungarischen Partner ist eine gemeinsame Nutzung des auf der ungarischen Seite des Nationalparks entstehenden Umweltbildungszentrums geplant.
 
In Österreichs jüngstem Nationalpark, dem Gesäuse, wird Anfang Juni ein Besucherzentrum in Gstatterboden eröffnet, das auch eine multimediale Ausstellung zum Thema Geologie beherbergt. Spezialtouren auf einem in Österreich einzigartigem Auen-Erlebnispfad entlang der Enns werden 2005 erstmals angeboten. Im Sommer findet ein  internationales Treffen von „Junior Rangern“ statt, und im „Weidendom“, Österreichst größtem lebenden Bauwerk, wird weiterhin im Freien geforscht.
 
Auch für den Nationalpark Kalkalpen wird es ein neues Besucherzentrum geben. Dieses wird gleichzeitig Technologie- und Dienstleistungszentrum für den Raum Ennstal sein. Dies ist eine ungewöhnliche „Nachbarschaft“ - sie zeigt, dass Naturschutz und Technologie einander nicht ausschließen. Die Artenschutzprojekte werden durch ein Monitoring für den Luch ergänzt. Erstmals in Österreich wird die Ausweisung eines „Biotopschutzwaldes“ beantragt.
 
In den Hohen Tauern bemüht sich das Nationalparkteam um die Wiedereinbürgerung der "Urforelle", die durch eingesetzte fremde Arten fast bis zur Ausrottung verdrängt wurde. Wichtig ist hier außerdem die Weiterführung des erfolgreichen Artenschutzprojektes für den Bartgeier.
Neu und besonders attraktiv ist die so genannte „Nationalparkcard“, die in den drei Ländern Salzburg, Kärnten und Tirol eingeführt wird und ein spannendes Tourismusangebot darstellt.
 
Auch die Bilanz der letzten Jahre zeigt für Umweltminister Josef Pröll, wie erfolgreich die Idee Nationalpark ist: Rund 170.000 BesucherInnen in den Infozentren, mehr als 1.000 Veranstaltungen, 290 Reisegruppen aus unseren Nachbarländern und 451 Millionen Euro an Wertschöpfung für die Nationalparkgemeinden durch den Nächtigungstourismus in der Sommersaison sind ein eindrucksvolles Ergebnis. Im Frühjahr 2004 waren die Nationalparks „on tour“ und präsentierten sich in mehreren Landeshauptstädten. Immerhin 35.000 BesucherInnen haben daran teilgenommen.
 
Die sechs österreichischen Nationalparks – Hohe Tauern, Gesäuse, Kalkalpen, Thaytal, Donau-Auen und Neusiedler See/Seewinkel – haben sich in den letzten Jahren auch erfolgreich als Bildungs- und Forschungszentren etabliert. Mehr als 2.800 Klassen mit insgesamt rund 65.000 SchülerInnen waren 2004 im Rahmen von Projekttagen unterwegs. Dabei gibt es immer mehr mehrtägige Aufenthalte. Ein besonderes Angebot der Nationalparkverwaltungen ist „Der Nationalpark kommt in die Schule“. NationalparkmitarbeiterInnen gestalten dabei direkt in den Schulen Projektunterricht. Im vergangenen Jahr nahmen über 1.300 Schulen an dieser Aktion teil. Aber auch Kindergärten haben die Nationalparks neuerdings für sich entdeckt.
 
Neben Ökosystemschutz, Bildung und umweltverträglichem Tourismus ist Forschung eine zentrale Aufgabe modernen Nationalparkmanagements. Die Schutzgebiete stellen ideale Räume für Bestandsaufnahmen, ökologische Langzeituntersuchungen und Dauerbeobachtung (Monitoring) dar. Die Anzahl der wissenschaftlichen Projekte in Österreichs Nationalparks hat sich gegenüber dem Jahr 2000 verdopppelt. Darüber hinaus werden immer häufiger Projekte mit internationalen Kooperationspartnern durchgeführt oder sind Teil überregionaler Forschungsvorhaben im Rahmen von LIFE- oder INTERREG-Programmen der EU. Frische Impulse bringt der im Dezember 2004 vergebene „Österreichische Nationalpark-Forschungspreis für DiplomandInnen“. Dabei wurden insgesamt 50 AbsolventInnen von Universitäten und Fachhochschulen für ihre Beiträge zur Entwicklung der Nationalparks ausgezeichnet.
 
Auch für den Tourismus gewinnen die umfangreichen Nationalparkangebote immer mehr an Bedeutung. Laut einer Studie des Instituts für touristische Raumplanung gab es im Tourismusjahr 2002/03 rund 14,7 Millionen Nächtigungen in den insgesamt 51 untersuchten Schutzgebieten. Damit wird jede achte Nächtigung in einem der Schutzgebiete verbracht. Die Aufenthaltsdauer der Gäste ist mit 5 Tagen um einen Tag länger als im Österreich-Durchschnitt. Die Nächtigungsfrequenz hat sich im Zeitraum von 2000 bis 2003 um 4,9 Prozent gesteigert.
 
Die steigende Beliebtheit von Aufenthalten im Nationalpark hängt mit den großen Erlegbnisangebot zusammen. Bei einer Gallup-Umfrage aus dem Vorjahr stellten die BesucherInnen den Nationalparks beste Noten für das Programmangebot und dessen inhaltliche Qualität, das Niveau der Führungen und den Naturerlebniswert aus. Hervorragende Werte gab es auch für die fachliche Kompetenz der NationalparkmitarbeiterInnen. Insgesamt haben drei Viertel der befragten Personen einen sehr guten Gesamteindruck von ihrem Aufenthalt mitgenommen, 40 Prozent gaben an, dass ihre Erwartungen sogar übertroffen wurden. 99 Prozent der Befragten hat der Besuch so gut gefallen, dass sie wieder einen Nationalpark besuchen wollen. Handlungsbedarf besteht allerdings bei Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der touristischen Infrastruktur.
 
Rückfragen: Dr. Gerhard Popp, gerhard.popp@lebensministerium.at
 
 

31.03.2005,